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Gefühle entschlüsseln

Wir sind in unserer Gesellschaft noch mehr darin geübt, uns aufs Denken zu verlassen, als aufs Fühlen. Dabei geben unsere Gefühle uns sehr wichtige Hinweise in unserem Leben. Daher ist es hilfreich, seinen Gefühlen mehr Beachtung zu schenken. Wann empfinden Sie Angst, Trauer oder Wut? Und wann spüren Sie pure Freude?

3 mal täglich

Fragen Sie sich drei mal am Tag: „Wie fühle ich mich gerade?“ „Was ist meine derzeit vorherrschende Empfindung?“ Und überlegen Sie, aus welchem Grund Sie sich gerade so fühlen. Dann fragen Sie sich (wenn nötig), was Sie tun können, damit es Ihnen ein bisschen besser geht. Und tun Sie dann genau das.

Entschlüsseln Sie Ihre Gefühle

Häufig ist Ihr erstes, vordergründig gespürtes Gefühl nur eine Maskierung eines anderen, ehrlichen Gefühls, das Sie aber nicht zu zeigen wagen. Nachfolgend finden Sie zu jedem Ihrer Gefühle mögliche Täuschungen und Hinweise, wie Sie vordergründige und ehrliche Gefühle unterscheiden können…

Wenn Sie Angst empfinden

Die positive Funktion: Angst beschützt Sie vor Gefahren.

Gefährliche Täuschung: Hinter falscher Angst verstecken sich häufig Aggression und Wut, die nicht gelebt werden dürfen. Sie erkennen falsche Angst daran, dass sie sehr allgemein ist und nicht zu klaren Vermeidungsreaktionen führt. Richtige Angst lässt sich sehr konkret bestimmen (z. B. nicht geliebt zu werden, Angst vor Höhen).

Gesunde Reaktionen:

  1. Sie sehen der Angst ins Auge. Vervollständigen Sie den Satz: „Wenn ich nur den Mut dazu hätte, würde ich …“ Tun Sie, was Sie dort hingeschrieben haben, und Ihre Angst wird Ihr Freund!
  2. Sie vermeiden, was Sie ängstigt. Sie gehen nicht auf Türme oder Berge und haben trotzdem ein erfülltes Leben.

Wenn Sie Trauer empfinden

Die positive Funktion: Psychologen nennen Trauer „das heilende Gefühl“. Menschen, die einen Trauerprozess bis zum Ende durchschreiten, werden gekräftigt, gesünder und weiser.

Gefährliche Täuschung: Falsche Trauer soll oft Zorn und Angst verdecken. Sie erkennen falsche Trauer an einem vagen Gefühl von Hoffnungs- und Hilflosigkeit. Richtige Trauer tut auf eine eigenartige Weise gut. Sie empfinden, dass Sie ein Recht haben, darüber zu trauern, verbunden mit einem eigentlich guten Gefühl von Stärke und Aufrichtigkeit.

Gesunde Reaktionen: Der Grund für Trauer ist immer ein Verlust. Finden Sie heraus, was Ihnen genommen wurde. Das kann auch schon lange zurückliegen.

  1. Ersetzen Sie es, wenn möglich, durch etwas Anderes / Besseres.
  2. Lernen Sie, den Verlust als notwendigen Fortschritt in Ihrem Leben zu lieben, erleben Sie bewusst die Heilung in Ihrer Trauer.

Wenn Sie Wut empfinden

Die positive Funktion: Ihr psychologisches Immunsystem, das Ungerechtigkeiten aufspüren und besiegen soll. Wut ist Energie: Nach außen gerichtet, hat sie große reinigende Kraft, sie ist aber auch gefährlich. Nach innen gerichtet, kann sie Ihnen großen Schaden zufügen.

Gefährliche Täuschung: Hinter falschem Zorn steckt sehr häufig Trauer. Da hilft die Suche nach dem Verlorenen (siehe oben). Falsche Wut richtet sich allgemein gegen Ihre Umgebung, auch gegen Menschen, die Sie eigentlich lieben. Sie macht Sie traurig. Richtige Wut ist spezifisch und enthält eine Kraft aus Ihrer Tiefe, die Sie stark macht.

Gesunde Reaktionen:

  1. Ändern Sie sich selbst.
  2. Ändern Sie die Situation.

Wenn Sie Freude empfinden

Die positive Funktion: Freude nährt und erweitert Ihr Leben.

Gefährliche Täuschung: Falsche Freude ist kurzzeitige Euphorie, hervorgerufen durch spezifische Mittel (z.B. Schokolade), eine Sucht oder eine sorgfältig eingefädelte Freudensituation. Falsche Freude erkennen Sie am Tief danach. Gesunde Freude enthält Dankbarkeit, die auch nach dem Stimmungshoch bestehen bleibt.

Gesunde Reaktionen:

  1. Freuen Sie sich. Gönnen Sie sich, was Sie erfreut. Und seien Sie dankbar dafür.
  2. Teilen Sie Ihre Freude mit anderen. Das wird Ihre eigene Freude verdoppeln.

5 mal WARUM?

Analysieren Sie Ihre (echten!) Gefühle, indem Sie bis zu 5-mal „Warum“ fragen – so lange, bis Sie auf ein lösbares Problem stoßen.

Ein Beispiel:

Ich bin so traurig. Warum? Weil ich heute so wenig geschafft habe. Warum? Weil ich immer wieder im Internet gesurft habe. Warum? Weil mir meine eigentliche Arbeit keine Freude macht. Warum? Weil ich zu viel allein arbeiten muss.

Aha! Das ist des Pudel Kern! Jetzt kann man konkrete Lösungen finden, wie man künftig mehr mit anderen Menschen zusammenarbeiten kann.

Oft stellt sich heraus, dass das eigentliche Problem gar nicht so komplex ist wie angenommen. Das allgemeine Gefühl von Traurigkeit lässt sich durch eine verhältnismäßig kleine Änderung erfolgreich bekämpfen.

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Nicola Fritze

Nicola Fritze ist Autorin und Rednerin. Ihre Themen sind Motivation und Persönlichkeitsentwicklung. Kurz gesagt: Sie ermutigt Sie dazu, der Mensch zu werden, der Sie sein wollen - persönlich und beruflich.
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