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Wandel braucht Zuversicht

Weniger Schwarzmalerei, mehr Mut zur Zukunft.

Wir Deutschen können etwas richtig gut: Probleme analysieren. Wir erstellen Risikoanalysen, entwickeln Szenarien, gründen Arbeitskreise und pflegen Excel-Tabellen. Am Ende wissen wir ziemlich genau, was alles schiefgehen könnte. Währenddessen verändert sich die Welt. Ohne auf die Ergebnisse unserer Arbeitskreise zu warten.

Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind Weltmeister darin geworden, Probleme zu beschreiben und spielen Kreisklasse, wenn es darum geht, etwas auszuprobieren.

Dabei brauchen wir für den Wandel vor allem eines: Zuversicht.

Wer nur Risiken sieht, übersieht die Möglichkeiten

Unser Gehirn ist ein ziemlich zuverlässiger Schwarzseher. Das hat gute Gründe: Für unsere Vorfahren war es überlebenswichtig, Gefahren früh zu erkennen. Wer den Säbelzahntiger rechtzeitig bemerkte, hatte bessere Chancen, den nächsten Tag zu erleben.

Auch wenn uns heute keine Säbelzahntiger mehr bedrohen, sucht unser Gehirn trotzdem weiter nach Gefahren. Und es findet reichlich davon: Wirtschaftskrise, Klimawandel, künstliche Intelligenz, politische und gesellschaftliche Umbrüche.

Natürlich müssen wir Risiken ernst nehmen. Doch wer sich ausschließlich damit beschäftigt, was schiefgehen könnte, verliert irgendwann den Blick dafür, was möglich wäre. Und so entsteht Stillstand, den wir uns angesichts der Veränderungen aber nicht leisten können.

Zuversicht ist keine rosarote Brille

Zuversicht wird gerne mit Optimismus verwechselt. Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied.

Optimismus sagt: „Es wird schon gutgehen.“

Zuversicht sagt: „Ich weiß nicht, wie es ausgeht. Aber ich vertraue darauf, dass ich etwas bewirken kann.“ Ich darf die Lage schwierig finden, Zweifel haben und trotzdem handeln.

In der Psychologie sprechen wir hier auch von Selbstwirksamkeit: der Überzeugung, durch das eigene Handeln etwas beeinflussen zu können.

Wer sich selbst als handlungsfähig erlebt, geht anders mit Veränderungen um. Man wartet weniger darauf, dass endlich jemand die perfekte Lösung präsentiert.

Wir brauchen weniger Untergangserzählungen

Achten Sie einmal darauf, wie in Ihrem Umfeld über die Zukunft gesprochen wird.

„Früher war alles besser.“ „Es geht nur noch abwärts.“ „Deutschland kriegt nichts mehr auf die Reihe.“

Solche Sätze wirken harmlos. Doch wenn wir sie oft genug wiederholen, werden sie irgendwann zu Überzeugungen. Und wer fest davon überzeugt ist, dass etwas nicht funktionieren kann, wird kaum begeistert einen Versuch starten.

Bei meinem Mann liegt ein Buch auf dem Nachtisch mit dem Titel „Die Menschheit schafft sich ab!“ Ich will dem Autor, Harald Lesch, nicht zu nahetreten, aber ich kann nachvollziehen, warum die Staubschicht auf dem Buch immer dicker wird und mein Mann es noch nicht gelesen hat. Aber natürlich verstehe ich, dass so ein Titel viel Aufmerksamkeit weckt, und die ist heute kostbarer denn je.

Gerade Führungskräfte sollten deshalb darauf achten, worauf sie die Aufmerksamkeit ihrer Teams lenken und welche Geschichten sie über Veränderungen erzählen. Schwierigkeiten zu benennen, ist wichtig. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, worauf wir Einfluss haben und was wir gemeinsam erreichen wollen.

Zuversicht kann ansteckend sein. Dauerndes Jammern übrigens auch.

Vier Ideen, wie wir Zuversicht stärken können

1. Stellen Sie andere Fragen. Statt ausschließlich zu fragen „Was kann alles schiefgehen?“, fragen Sie auch: „Was könnte gelingen?“ oder „Welche Möglichkeiten haben wir bisher übersehen?“ Das verändert den Blick auf dieselbe Situation.

2. Probieren Sie etwas aus. Wir müssen nicht für jede Veränderung einen perfekten Plan haben. Oft reicht ein kleiner erster Schritt. Probieren Sie eine Idee aus, sammeln Sie Erfahrungen und entscheiden Sie dann, wie es weitergeht.

3. Lassen Sie den Anspruch los, alles kontrollieren zu müssen. Gerade in unsicheren Zeiten versuchen wir, durch noch mehr Planung Sicherheit herzustellen. Nur hält sich die Zukunft selten an unsere Pläne. Hilfreicher ist es, beweglich zu bleiben und unterwegs dazuzulernen.

4. Suchen Sie sich Mitmacher. Verbringen Sie mehr Zeit mit Menschen, die neugierig sind und etwas ausprobieren wollen. Gemeinsam wächst das Vertrauen, auch schwierige Situationen bewältigen zu können. Und manchmal hilft es schon, miteinander über die eigenen Befürchtungen zu lachen.

Die Zukunft braucht Menschen, die an sie glauben

Natürlich wird nicht jede Veränderung gelingen. Manche Entscheidungen werden sich als ungünstig erweisen. Und manches, was wir heute planen, wird morgen schon wieder überholt sein.

Das gehört dazu.

In meinem neuen Buch „Loslassen ist das neue Anpacken!“ beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir trotz Ungewissheit mutig und handlungsfähig bleiben können. Eine Überzeugung zieht sich dabei durch das Buch:

Wir müssen nicht wissen, was morgen passiert, um heute etwas Sinnvolles zu tun.

Wandel lässt sich nicht aufhalten, indem wir lange genug darüber diskutieren. Wir können aber beeinflussen, wie wir ihm begegnen.

Also: Welche Veränderung würden Sie endlich anpacken, wenn Sie weniger darüber nachdenken würden, was alles schiefgehen könnte?

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