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Harmonie schadet Unternehmen!

Warum es im Arbeitsalltag auch unangenehme Kritik braucht

Danke für Ihr Feedback zu meinem Feedback-Artikel 😊  Es kam ungefragt und hat mich sehr gefreut, teilweise auch zum Nachdenken angeregt – vielen Dank dafür! Daher kommt heute noch ein Nachschlag.

Kritisieren Sie Ihre Führungskraft? Nein, ich meine nicht das informelle Lästern mit Kolleginnen und Kollegen, in der Kaffeeküche oder Kantine. Ich meine direkte, ehrliche Kritik, von Angesicht zu Angesicht.

Ehrliches Feedback: unerwünscht?

Meiner Erfahrung nach fällt es vielen Menschen schwer, kritisches Feedback zu geben. Gegenüber den Kolleginnen und Kollegen im Team – aber ganz besonders gegenüber all denen, die in den höheren Ebenen der Hierarchie unterwegs sind. Klar, dafür gibt es Gründe. Es gibt leider immer wieder Chefs, die einfach kein kritisches Feedback wollen. Das sind Menschen, die vor allem gefällige Jasager fördern; Menschen, die ihnen ähnlich sind und im besten Fall nach dem Mund reden. Bei solchen Vorgesetzten geraten Mitarbeitende, die Kritik äußern, schnell in die Schusslinie.

Einsame Führungskräfte

Aber wissen Sie was: diese Führungskräfte sind nach meiner Wahrnehmung die Ausnahme. Die meisten Führungskräfte, mit denen ich zu tun habe, leiden darunter, dass sie viel zu selten kritisches Feedback bekommen. Neulich sagte mir eine Coaching-Kundin, die Geschäftsführerin ist: „Ich fühle mich oft sehr einsam. Ich spreche zwar den ganzen Tag mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Aber eine ehrliche Rückmeldung kommt ganz selten. Und wenn, dann kommt meistens Positives. Kritik muss ich offensiv einfordern – und auch dann kommen meist nur diplomatische Floskeln. Als hätte ich eine unsichtbare Blase um mich herum, durch die nichts Ehrliches durchdringt.“

Gefälligkeit hilft nicht weiter

Damit ist die Dame nicht allein. Sie ist, wie viele andere Führungskräfte auch, Opfer einer Gefälligkeitskultur, die sehr weit verbreitet ist. Der Grund: die meisten Menschen wollen ein konfliktfreies, harmonisches Arbeitsumfeld. Sie scheuen Streit und Reibung. Deshalb macht es Sinn, dass sie gerade gegenüber ihren Chefs keine unangenehmen Botschaften senden. So vermeiden sie Reibung und vielleicht auch unangenehme Gegenreaktionen.

Nichts-Sagen hat einen hohen Preis

Aber dieses Nichts-Sagen hat einen hohen Preis. Wenn ehrliches, kritisches Feedback nicht passiert – dann geht viel verloren. Vor allem die Chance, miteinander zu lernen und besser zu werden. Und es staut sich viel an. Denn das Ungesagte ist ja trotzdem da: als angestauter Frust, oder als negatives Urteil. Und das spüren Menschen, auch wenn man ihnen nichts Kritisches sagt.

Gegenmittel gegen falsche Harmonie

Um so wichtiger, dass Führungskräfte aktiv gegensteuern. Die besten Möglichkeiten:

  • In Meetings vom ersten Tag an kritisches und positives Feedback zeitnah einfordern – und zwar häufig und ernst gemeint. Diese offizielle Einladung zu ehrlicher Kritik sendet die Botschaft: hier ist Raum für Kritik. 
  • Nachfragen, wenn das Gefühl da ist, dass zu viel ungesagt bleibt. So merken Mitarbeitende: „Selbst, wenn ich nichts sage, ist meine Kritik spürbar. Es ist für alle eine Erleichterung, wenn wir über dieses Ungesagte sprechen.“
  • Selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Es wirkt oft Wunder, wenn Chefs ihre Chefs ehrlich kritisieren. Sei es in einem Meeting oder einer Betriebsversammlung. Wer hier frank und frei – aber respektvoll – Kritik äußert, sendet die Botschaft: ich mache das, was ich mir von Euch wünsche. Her mit Eurer Kritik!

Nicola Fritze hat 4,69 von 5 Sternen | 194 Bewertungen auf ProvenExpert.com