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Die Zügel anziehen?

Warum Unternehmen sich von Agilität abwenden

In vielen Unternehmen waren die letzten Jahre ziemlich gute Jahre. Die Geschäfte liefen rund. Und gleichzeitig hat das riesige Interesse für alles rund um Agilität und „New Work“ dazu geführt, dass vielerorts alte Zöpfe abgeschnitten worden sind. Viele Arbeitswelten sind offener, flexibler und schlicht menschlicher geworden.

Jetzt stelle ich immer wieder fest: es gibt auch die Gegenbewegung. Manche Unternehmen haben schlechte Erfahrungen gesammelt mit Agilität, mehr Selbstorganisation und Eigenbestimmtheit. Und ziehen als Antwort darauf wieder die alten Zügel an, die viele schon auf dem Müllhaufen der Geschichte wähnten…

Regellosigkeit statt Agilität

Vor kurzem habe ich am Rande eines Vortrags mit jemandem gesprochen, dessen Unternehmen gerade den Rückwärtsgang einlegt. Dort wurde jahrelang mit flexibler Arbeitszeit und höherer Eigenverantwortung experimentiert. Das Ergebnis: niemand wusste, wann die Kolleginnen im Büro sein würden, die man gerade brauchte. Abstimmungschaos zwischen den Teams. Themen, die einfach irgendwo stecken bleiben und „versanden“.

Als Reaktion darauf hat das Unternehmen jetzt wieder striktere Regeln für Arbeitszeit und eine Führungshierarchie mehr auf Teamebene eingezogen. Linienkommunikation statt Selbstorganisation.

Als ich meinen Gesprächspartner fragte, warum die Dinge so gelaufen sind, sagte er: „Wir haben Agilität mit Regellosigkeit verwechselt. Uns ist um die Ohren geflogen, dass wir die Zügel einfach fallengelassen haben, anstatt behutsam ein neues Schrittempo zu erlernen.“

Von einem Extrem ins Andere

Damit ist dieses Unternehmen alles andere als allein. Aktuell treffe ich immer wieder Unternehmensvertreterinnen und -vertreter, die die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn es um Agilität und Selbstorganisation geht. Weil auch ihre Unternehmen von einem Extrem – alles regeln, alles hierarchisieren – ins Andere gekippt sind: alle Regeln weg, Hierarchien sind böse! Und damit auf die Schnauze gefallen sind.

Agilität braucht Klarheit und Transparenz

Ich wundere mich oft über diese Fälle. Und sie machen mich traurig. Denn dort ist Agilität missverstanden worden – und damit ist das Thema oft verbrannt, obwohl es riesiges Potenzial hat.

Wenn man mit guten Experten spricht, bestätigen die: Agilität braucht verlässliche Absprachen, klare Rollen und transparente Prozesse. Und „New Work“ lebt auch von klarer Kommunikation und schneller Verbesserung, wenn etwas nicht klappt. Das Gegenteil von Chaos also.

Deshalb gilt: nicht direkt die alten Zügel aus der Schublade holen, wenn das Experiment mit Agilität und New Work im ersten Schritt nicht klappt. Lieber mit Expertinnen und Experten arbeiten, die verstehen, worum es geht – und dann wohlüberlegt ins Neue gehen, anstatt von einem Tag auf den anderen den Schalter umzulegen!

 

Nicola Fritze hat 4,69 von 5 Sternen | 194 Bewertungen auf ProvenExpert.com